KAIROS Wochenimpuls 53

Der schwebende Mann

„Mama, ein Mann, der schwebt!“, so spricht ein Kind.
„Unmöglich! Geht nicht. Da wird vielleicht ein Moment des Fallens festgehalten oder es ist eine Montage“, so ein Erwachsener. Ein Erwachsener des 21. Jahrhunderts.
Im Mittelalter hätte derselbe Mann gesagt: „Ein Wunder! Ich habe ein Wunder gesehen. Welche Gnade.“
Und im 17. Jahrhundert hätte er gesagt: „Der Maler rührt meinen Glauben zu Tränen.“
Warum solche Unterschiede?
Weil unser Gehirn unser Sehen immer mit unserer inneren Beziehung zum Ganzen verknüpft.
Wir deuten immer. Unser Urteil ist objektiv, wenn alle anderen es bestätigen.
Die anderen: das sind nicht nur unsere Bekannten. Das sind auch die Medien, die Politiker …
Wer noch einen anderen Beziehungsrahmen kennt, wundert sich, was heute alles geglaubt wird.
Warum ist das so?
Weil sich die kollektive Beziehung zu Begriffen und Fakten verändert hat. Nichts steht mehr für sich.
Nichts spricht mehr für sich. Es gibt nur offiziell verkündete oder diffamierte Fakten.
Lasst uns also diese geschichtliche Bewegung selbst anschauen.
Nur so relativiert sich der geistige Druck, der gegenwärtig jedem begegnet.
Nur so finden wir zu einer befreienden Lösung:
zur Quelle aller Beziehungsänderungen.
Zum Kairos.
Text:   Dr. Karl Hofmann, Institut für Kairologie
Foto:  photo-1518708266825-ad9f4356d8ff auf unsplash
 KAIROS Wochenimpuls 53